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ULF-1 ist ein einsitziges laufstartfähiges Segelflugzeug für
den Selbstbau. Es ist um drei Achsen aerodynamisch steuerbar und
speziell für den Hangsegelflug sowie das Fliegen in schwacher
Thermik (Microlift) ausgelegt. Für die Entwicklung zeichnen
Heiner Neumann und Dieter Reich verantwortlich. Der Erstflug fand
im November 1977 statt. Der Öffentlichkeit wurde das Flugzeug
erstmalig im August 1978 beim 3. Internationalen Hängegleitertreffen
auf der Wasserkuppe vorgestellt, wobei es seine Überlegenheit
gegenüber allen anderen fußgestarteten Geräten demonstrieren
konnte.
Etliche Piloten akkumulierten inzwischen viele Stunden in den verschiedensten
ULFs. Alleine der Prototyp brachte es auf mehr als 150 Stunden bei
200 Flügen, die meisten Starts erfolgten "zu Fuß".
Schätzungsweise 40 ULFs wurden bislang weltweit gebaut und
geflogen, wovon alleine 15 in Deutschland betrieben werden. Die
längste Flugzeit beträgt 6 Stunden, die größte
geflogene Entfernung 140 km. Beide Flüge begannen mit einem
Fußstart.
ULF-1 erhielt im Juli 1980 die Verkehrszulassung vom Luftfahrt-Bundesamt
Braunschweig. Der erste Nachbau wurde im November 1981 eingeflogen.
Soweit wir wissen, gehört ULF-1 immer noch zu den leistungsfähigsten
fußgestarteten Fluggeräten.
Betrieb
Das Flugzeug lässt sich von Hängen, welche mehr als 15
Grad geneigt sind, schon bei mäßigen Luftbewegungen gegen
den Wind starten. Der Pilot trägt das Flugzeug mit den Schultergurten,
wobei ihn der aerodynamische Auftrieb deutlich entlastet. Während
des Anlaufs gegen den Wind wird der Knüppel leicht gedrückt,
um den Sporn vom Boden zu nehmen. Die Lateralbewegungen werden mit
dem, auf der Seite angebrachten Steuerknüppel kontrolliert.
Bei genügender Fahrt - es reichen meist einige Schritte - lässt
sich der Pilot durch leichtes Ziehen am Steuerknüppel "ausheben".
Nach Erreichen einer Sicherheitshöhe werden die Beine eingezogen
und auf die Seitenruderpedale gestellt. Danach wird eine federbelastete,
jalousieartige Konstruktion, welche sich im Rücken des Piloten
befindet, ausgelöst und dient als Sitz.
Infolge der relativ geringen Sinkgeschwindigkeit (0,8 m/s), den
kleinen Kurvenradien und seiner guten Wendigkeit ist mit dem ULF-1
auch das Segeln an kleinen Hängen möglich. Die beste Gleitzahl
von 16 liegt bei einer Geschwindigkeit von ca. 55 km/h. Um den aerodynamischen
Widerstand des Rumpfes zu verringern, wurden an der vorderen Rumpfstruktur
aufklappbare Bodentüren angebracht. Sie sind während des
Startvorgangs geöffnet und werden nach dem Einziehen der Beine
manuell geschlossen. Für Leistungsflüge wird die Verwendung
einer geschlossenen Plexiglas-Kabinenhaube empfohlen.
Eine Rechnung hat ergeben, dass mit beiden Maßnahmen zur
Verringerung des Widerstandes, die beste Gleitzahl auf 18 erhöht
werden kann. Da diese Gleitleistung bei einer relativ hohen Fluggeschwindigkeit
erzielt wird, errechnet sich eine mittlere Überlandfluggeschwindigkeit
- einschließlich Kreisen in der Thermik - welche mindestens
50 Prozent höher liegt als die konventioneller Hängegleiter.
Die Landung erfolgt auf der Kufe. Neben dem Fußstart lässt
sich ULF-1 auch mittels Kfz-Schlepp, Drachenfliegerwinde, UL-Schlepp
und Gummiseil von der Kufe weg in die Luft bringen. Er kann von
den vielen Drachenfluggeländen und UL-Flugplätzen gestartet
werden.
Flugeigenschaften
Das Flugverhalten des ULF-1 ist als gutmütig zu bezeichnen.
Der Überziehvorgang ist nicht besonders ausgeprägt. Das
Flugzeug geht bei zu geringer Geschwindigkeit in einen Sackflug
über. Insbesondere wird das Querruder "schwammig".
Alle Ruder bleiben jedoch ausreichend wirksam.
Beim dynamischen Überziehen auf ca. 20° Anstellwinkel,
nickt das Flugzeug weich nach vorne ab. Die Bewegung ist langsam,
der Höhenverlust gering. Im Kurvenflug, bei starker Turbulenz
und geringer Geschwindigkeit, ist ein langsames Abkippen über
den Flügel möglich. Dieses lässt sich mit dem Seitenruder
stoppen. Der Höhenverlust ist normalerweise kleiner als 10
m.
Segelflieger werden keine Probleme haben das Flugzeug zu fliegen.
Drachenflugerfahrung allein ist nicht ausreichend.
Konstruktion
ULF-1 ist in der für den Selbstbau besonders vorteilhaften
Holz-Skelettbauweise ausgeführt. Es werden dabei Kiefernholz,
Sperrholz und Balsaholz verwendet. Das Flugzeug ist mit einem Polyestergewebe
bespannt. Für Scharniere, Beschläge und Steuerungsteile
werden Stahlblech benutzt. Zu einem geringen Anteil finden auch
Aluminium und glasfaserverstärkter Kunststoff Verwendung.
Beim ULF-1 Prototyp wird ein vollintegriertes Rettungssystem, bestehend
aus Fallschirmkappe, Behälter, Rakete und Zündeinrichtung
verwendet. Es ist unmittelbar hinter dem Hauptspant untergebracht.
Höhenleitwerk und Tragfläche sind abnehmbar. Letztere
ist teilbar. Jedes Teilstück ist 5,2 m lang. Der Rumpf ist
5,5 m lang und mit Seitenleitwerk (ohne Sporn) 1,75 m hoch. Ohne
Transporthänger ist ein Straßentransport nicht zu empfehlen.
Das Flugzeug ist mit zwei Personen in etwa 10 Minuten aufzurüsten.
Nachbaupläne
Die Bauunterlagen bestehen aus:
31 Blatt Konstruktionszeichnungen (14 qm), die meisten im Maßstab
1:1, wie auch die Straakpläne für Flügel und Leitwerke
Eine detaillierte Bauanleitung (38 Seiten mit Skizzen) und viele
Detailfotos
Eine Prüfanweisung (8 Seiten)
Ein Flug-/ Betriebshandbuch (20 Seiten)
Eine perspektivische Strukturzeichnung (DIN A3)
Für den Nachbau sind Kenntnisse im Holzflugzeugbau erforderlich.
Je nach Werkstattausrüstung und handwerklichen Fähigkeiten
liegt der Bauaufwand bei etwa 1000 Std. Die Materialkosten dürften
je nach Bezugsmöglichkeit ca. Euro 2.500,-- betragen.
Vor Baubeginn sollte man sich zum Zwecke der Bauüberwachung
mit einem Prüfer der Klasse 5 in Verbindung setzen.
Eine Serienfertigung, sowie die Zusammenstellung von Bausätzen
ist nicht vorgesehen.
Zulassung und Lizenzen
Zur Inbetriebnahme eines ULF-1 in Deutschland ist ein Lufttüchtigkeitsnachweis
erforderlich. Ein Nachbau des ULF-1 gilt als lufttüchtig, wenn
er den vorliegenden Zeichnungen, Bauanweisungen und Prüfverfahren
entspricht, sowie einer erfolgreichen Stückprüfung (Prüfer
Klasse 5) unterzogen wurde. ULF-1 darf nur betrieben werden, wenn
die vorgeschriebenen und angeordneten Nachprüfungen erfolgt
sind.
Zum Führen des ULF-1 - er fällt in die Kategorie der
Gleitflugzeuge - ist ein Luftfahrerschein für Luftsportgeräteführer,
Beiblatt "F" erforderlich. Dieser Schein wird entsprechend
der Ausbildungsordnung für Gleitflugzeugführer vom DAeC
ausgestellt.
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